Es gibt Behandlungen in der ästhetischen Medizin, über die ich nur sachlich schreiben und informieren möchte – unabhängig davon, ob ich sie empfehlen würde. Und dann gibt es das Fadenlifting. Eine Methode, bei der ich nach allem, was ich fachlich darüber weiß und nach allem, was ich in den letzten Jahren beobachtet habe, einfach nicht schweigen kann.
Also: In diesem Artikel gibt Klartext. Ich werde freundlich bleiben, versprochen!
Ich bin Hanna, Physiotherapeutin mit Spezialisierung auf ästhetische Medizin und Expertin für Gesichtstraining. Ich begleite seit Jahren Frauen dabei, ihr Gesicht auf natürlichem Weg zu verändern.
Dabei erlebe ich regelmäßig, was passiert, wenn vorher invasive Eingriffe schiefgelaufen sind. Das Fadenlifting als gehypte Behandlung ist in diesem Zusammenhang leider ein häufiger Gast. Deshalb möchte ich dir heute ausführlich erklären, was hinter dieser Methode steckt, warum der Effekt nicht nachhaltig ist und warum mich das Verhalten mancher Beauty Docs in dieser ganzen Geschichte ehrlich gesagt ziemlich nachdenklich macht.
Am Ende des Artikels gibt es etwas sehr Ermutigendes für dich. Also bleib dran. Wir starten erst einmal mit den Grundlagen:
Was ist ein Fadenlifting und wie genau funktioniert es?
Beim Fadenlifting werden feine, auflösbare Fäden mit winzigen Widerhaken unter die Haut eingesetzt. Diese Fäden sollen das Gewebe mechanisch anheben – also buchstäblich „aufhängen“ – und dabei gleichzeitig die Kollagenproduktion anregen.
Das Versprechen: ein sichtbares Lifting ohne OP, mit minimalem Aufwand und sehr kurzer Ausfallzeit.
Dass das verlockend klingt, verstehe ich. Ein Lifting ohne Skalpell, ein paar Fäden, fertig. Und tatsächlich berichten manche Frauen direkt nach dem Eingriff von einem sichtbaren Effekt. Doch was passiert, wenn man genauer hinschaut, ist deutlich weniger beeindruckend.
Das Grundproblem: Die Physik stimmt einfach nicht
Ich erkläre das gern mit einer Analogie, weil sie das Problem perfekt auf den Punkt bringt.
Stell dir vor, du hängst ein Stück Stoff auf. Aber anstatt ihn an einem Kleiderhaken zu befestigen, der fest an einer Wand sitzt, nähst du den Stoff einfach an sich selbst fest. Unten an oben. Du rafft ihn also zusammen, was kurzzeitig straffer aussieht. Da es jedoch keinen festen Aufhängepunkt gibt (kein sogenanntes Punctum Fixum), gibt der Stoff mit der Zeit nach. Die Schwerkraft tut hier ihr Übriges. Nach einiger Zeit hängt er demzufolge wieder genau so, wie er vorher hing.
Exakt das passiert beim Fadenlifting. Die Fäden werden im Weichgewebe verankert. Also in einem Gewebe, das selbst beweglich, elastisch und der Schwerkraft ausgesetzt ist. Es gibt keinen knöchernden Fixpunkt und damit keinen wirklichen Anker.
Das bedeutet: Der Lifting-Effekt kann strukturell gar nicht von Dauer sein. Er wird mit der Zeit nachlassen, weil das Gewebe die Fäden langsam wieder in die ursprüngliche Position zieht. Oder auch, weil sich die Fäden schlicht lösen.
Das ist also nicht meine persönliche, pessimistische Einzelmeinung. Das ist ziemlich gut verständlich und nachweisbar. Physik halt.
Welche Erfahrung mit Fadenliftung meine Teilnehmerin aus dem Kurs gemacht hat, kannst du dir in diesem Video anschauen:
Die Risiken des Fadenliftings, die vorher selten erwähnt werden
Abgesehen vom fraglichen Langzeiteffekt, beschäftigen mich fachlich noch stärker die möglichen Komplikationen. Denn diese sind beim Fadenlifting wirklich nicht trivial. Wichtig ist mir dabei zu sagen, dass ich keine Angstmache betreiben möchte. Diese Risiken stammen aus echten Erfahrung und sind sehr gut dokumentiert.
Widerhaken können reißen oder sich lösen
Die kleinen Widerhaken, die die Fäden im Gewebe verankern sollen, sind sehr zart. Da das menschliche Gesicht eben kein statisches Gebilde ist, können die kleinen Widerhaken reißen oder ihren Halt verlieren. Wir kauen, lächeln, sprechen, gähnen, schlafen auf der Seite, legen unser Gesicht in Falten – all diese Bewegungen belasten die Fäden. Ein solcher Abriss kann zu asymmetrischen Ergebnissen führen, die optisch dramatisch sein können. Eine Seite straff, die andere abgesackt. Möchtest du das?
Sichtbare Fäden unter der Haut
Fäden können sich unter der Hautoberfläche zusammenrollen und werden dann als Stränge oder unregelmäßige Erhebungen unter der Haut sichtbar. Das ist ehrlich gesagt kein schöner Anblick und eine Korrektur auch nicht mal eben möglich geschweige denn einfach.
Die Behandlung selbst
Aufgrund der Widerhaken in den Fäden kann der Eingriff schmerzhaft sein – und zwar deutlich schmerzhafter, als viele Frauen vorher erwarten. Das allein ist für viele Frauen natürlich kein Ausschlusskriterium, dennoch gehört es zur vollständigen Aufklärung dazu. Ebenso das Risiko von Infektionen, Narbenbildung und Schwellungen, die länger anhalten können als angekündigt.
Die Beauty-Doc-Frage: Was mich wirklich stört
Jetzt komme ich zu dem Punkt, der mich ganz offen fast noch mehr stört als die medizinischen Details. Nämlich das Muster, das sich in der ästhetischen Medizin immer wieder zeigt.
In den letzten Jahren wurde das Fadenlifting von vielen DermatologInnen und SchönheitschirurgInnen aktiv beworben, fleißig durchgeführt und ihren PatientInnen empfohlen. Inzwischen sprechen sich immer mehr davon – darunter sogar prominente Namen wie Dr. Yael Adler und Dr. Emi – öffentlich gegen das Fadenlifting aus. Sie warnen vor den Risiken und erklären, warum der Effekt nicht halten kann. Sie raten ihren Patientinnen heute davon ab.
Das finde ich grundsätzlich gut. Wirklich! ÄrztInnen, die ihre eigenen Methoden kritisch hinterfragen und bereit sind, ihre Meinung öffentlich zu revidieren, verdienen Respekt. Das ist nämlich keine Selbstverständlichkeit.
Dennoch verstehe ich dabei folgenden Punkt nicht:
Warum kam dieses kritische Hinterfragen erst, nachdem die Methode schon an so vielen PatientInnen angewendet wurde? Warum war das strukturelle Problem mit dem fehlenden Punctum Fixum nicht von Anfang an bekannt? Oder war es bekannt und trotzdem wurde das Fadenlifting eingesetzt?
Aus Sicht einer Patientin – und das ist eine völlig legitime Perspektive – bedeutet dieses Muster doch etwas Unbehagliches: Offenbar kann ich mir nie ganz sicher sein, ob eine Behandlung, die heute gefeiert und massenhaft durchgeführt wird, in ein oder zwei Jahren vom selben Arzt nicht plötzlich kritisiert wird. Das Fadenlifting ist dabei nämlich kein Einzelfall. Auch bei anderen Methoden habe ich diese Muster beobachtet.
Ich sage das nicht, um Panik zu verbreiten oder Ärzte pauschal zu diskreditieren. Dennoch finde ich, dass man dieses Verhalten der Beauty Docs hinterfragen sollte. Wer also eine invasive, ästhetische Behandlung in Betracht zieht, sollte wissen, dass die medizinische Modewelt schnelllebig ist. Alles, was „aktuell sehr gehypt wird“ nicht dasselbe ist wie „sicher und langfristig bewährt“.
Kurz: Was bringt ein Fadenlifting wirklich?
Um fair zu sein: Direkt nach dem Eingriff kann ein Fadenlifting einen sichtbaren Effekt haben. Das Gewebe wird mechanisch angehoben, das Gesicht wirkt kurzfristig straffer. Für manche Frauen hält dieser Effekt einige Monate.
Aber mir ist dennoch ganz wichtig zu sagen: Die zugrundeliegenden Ursachen für das scheinbar gealterte Gesicht werden dabei nicht angegangen. Dazu zählt der Abbau von Muskulatur, der Verlust von Gewebestruktur und die Mimikgewohnheiten, die Falten täglich neu erzeugen. Zudem kann ohne Punctum Fixum das Ergebnis mechanisch nicht stabil bleiben. Der Effekt wird nach einiger Zeit nachlassen. Die Frage ist nur, wie schnell und wie unkompliziert?
Was bleibt, können hingegen im ungünstigen Fall die Risiken sein, die sich erst Wochen oder Monate nach dem Eingriff zeigen. Das ist eine Kosten-Nutzen-Abwägung, die jede Frau für sich treffen muss.
Nur mein Rat: Man sollte sie mit vollständigen Informationen treffen und nicht mit einer halbherzigen Beratung, die nur aus Marketing-Sprech besteht.
Was stattdessen wirklich gegen Alterungseffekt hilft
Ich wäre keine gute Physiotherapeutin, wenn ich nur kritisieren würde, ohne eine Alternative anzubieten. Deshalb möchte ich kurz erklären, was bei mit meiner Methode anders ist.
Gezieltes Gesichtstraining setzt genau dort an, wo Fadenliftings und viele andere Schönheitseingriffe grundsätzlich schon mal gar nicht ansetzen: an den Ursachen. Denn die meisten sichtbaren Veränderungen im Gesicht, zum Beispiel hängende Wangen, verschwommene Konturen, tiefere Falten, entstehen nicht primär durch die Haut selbst. Ihre Ursachen liegen darunter. Durch Muskelabbau, muskuläre Dysbalancen und eingeschliffene Mimikgewohnheiten, die täglich neue Spuren auf der Haut hinterlassen.
Gesichtstraining, gerne auch Face Yoga genannt, baut genau dort Struktur auf, wo sie mit der Zeit verloren gegangen ist (zB Wangenvolumen). Es entspannt, wo zu viel Spannung deiner Optik schadet (zB Stirn- und Zornesfalten). Zudem verändert es die Mimikmuster, die das Gesicht langfristig altern lassen (Doppelkinn). Ja, das braucht etwas Zeit und ein klein wenig Disziplin – das sage ich immer ganz ehrlich. Aber es ist nachhaltig. Und es ist das Einzige, was wirklich an der Ursache ansetzt.
Und: Sichtbare Effekte gibt es oft sogar schon nach den ersten Übungen!
Studien bestätigen übrigens die Wirksamkeit von Gesichtstraining.
Meine Teilnehmerinnen sind der beste Beweis dafür. Frauen, die vorher Botox, Filler, manchmal auch Fadenliftings hinter sich hatten und mit diesen Methoden nicht die Ergebnisse erreicht haben, die sie sich erhofft hatten. Genau die berichten nach wenigen Wochen gezieltem Training plötzlich über Veränderungen, die sie vorher für nicht möglich gehalten hätten. Nicht selten kommen sogar Fragen aus ihren privaten Umfeldern, ob sie „was machen lassen hätten“.
Schau dir gern hier die Ergebnisse meiner Kursteilnehmerinnen an: Erfolgsgeschichten.
Gesichtstraining ist kein Wundermittel über Nacht. Doch es setzt eben an genau der richtigen Stelle an.
Fazit: Meine klare Meinung zum Fadenlifting
Ich rate vom Fadenlifting ab. Das ist meine persönliche, fachliche Meinung. Dazu stehe ich.
Ich bin nicht grundsätzlich gegen jeden Eingriff. Manche halte ich sogar (in Kombination mit Gesichtstraining) für empfehlenswert, zum Beispiel das Microneedling oder die PRP-Behandlung. Allerdings halte ich bei diesem spezifischen Verfahren des Fadenliftings das Verhältnis zwischen erwartetem Nutzen und realen Risiken für wirklich problematisch. Ein temporärer Effekt, der strukturell nicht stabil sein kann sowie ein Risikoprofil, das von immer mehr Fachleuten inzwischen selbst kritisch bewertet wird, ist für mich keine gute Grundlage für eine Beauty-Behandlung.
Was mich dabei besonders bewegt: Die Frauen, die sich für ein Fadenlifting entschieden haben, haben das im guten Glauben getan. Sie haben ihren ÄrztInnen vertraut. Natürlich haben viele der Beauty Docs ihrerseits empfohlen, was in der Branche gerade als Stand der Technik galt. Das ist ein systemisches Problem und nicht zwingend ein persönliches Versagen.
Dennoch ist es ein generelles Problem in der Beauty-Industrie, über das man laut und klar sprechen sollte.
Du möchtest jetzt wissen, was du stattdessen für dein Gesicht tun kannst – ohne Risiko, ohne Nadel, ohne Methode, die in zwei Jahren vielleicht von den Beauty Docs nicht mehr empfohlen wird?
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